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MAINPOST, 9.6.2026  – Björn Kohlhepp

Eine engagierte Gemündener Kirchengemeinde rettet ihre Kirche vor der Entweihung

Kirchenverwaltung der Hl. Dreifaltigkeit – von links: Matthias Roth, Claudia Roth, Pfarrer Johannes Werst, Heike Petzolt, Detlev Schäfer und Roland Kern. Auf dem Bild fehlen Peter Fink und Christoph Fecher – Foto: Clara Roth

Die Dreifaltigkeitskirche hat allen Unkenrufen zum Trotz nicht zugemacht und wird zunehmend zu einem Ort der Begegnung. Im November tritt Volker Heißmann auf.

Die Kirchengemeinde Heiligste Dreifaltigkeit im Gemündener Osten stand vor wenigen Jahren mitsamt ihrer Kirche am Abgrund: Aus Altersgründen gab es keine Mesnerin und keine Kirchenverwaltung mehr, nur noch eine Ministrantin und eine Kirche, die laut Kirchenkategorisierung des Bistums Würzburg mittelfristig profanisiert (entwidmet) und einer anderen Nutzung zugeführt werden soll.

Die verbreitete Meinung zur Einstufung in die Kategorie E, die als Zweitkirche vom Bistum nur noch Zuschüsse für die Verkehrssicherheit außen vorsieht, sei gewesen: „Die Kirche wird zugemacht“, sagt Roland Kern. Detlev Schäfer hingegen sagt: „Die größte Kirche im pastoralen Raum Gemünden lebt.“ Beide sind seit vergangenem Jahr Mitglieder der Kirchenverwaltung.

Die 1953/54 gebaute Kirche stehe auf der „Abschussliste“, so empfinden es auch Gemeindemitglieder. Die Hauptkirche in Gemünden ist St. Peter und Paul in der Innenstadt. „Bei manchen kommt da das Gefühl auf: jetzt erst recht“, sagt Kern. Tatsächlich fand sich nach einer Krisensitzung erst ein Team, das sich den Mesnerdienst aufteilte, und das dann auch die Kirchenverwaltung übernahm.

Die hat derzeit sieben Mitglieder – und ist „wahrscheinlich die größte Unterfrankens“, meint Schäfer. Alle sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, alle sind berufstätig und wollen, dass ihre Kirche eine Kirche bleibt und keine Boulderhalle oder dergleichen wird. Es gibt zusätzlich ein engagiertes Gemeindeteam (früher Pfarrgemeinderat), weiterhin Gottesdienste, wieder zehn Ministranten und mehr Kirchgänger als noch vor wenigen Jahren. Wie haben sie das geschafft?

Kirche ist mehr als nur ein Gotteshaus

Das Engagement macht’s: Ohne Mesnerdienst hätten sie die Kirche zuschließen können, sind die Ehrenamtlichen überzeugt. Das erste halbe Jahr sei für die neue Kirchenverwaltung anstrengend gewesen: Putz bröckelte, die Kirchturmtreppe ist im oberen Teil zusammengebrochen, der Öltank musste ausgetauscht werden und noch mehr. Unterstützung bekamen sie aus der Gemeinde.

Die Kirche ist inzwischen auf Facebook und Instagram zu finden, es gibt eine Internetseite mit künstlerischen Fotos vom Gotteshaus. Neben Gottesdiensten gibt es in dem Sakralbau zunehmend auch andere Veranstaltungen. Der Gemündener Sänger und Chorleiter Michael Albert war mit dem Gospelchor da, anschließend gab es eine Bewirtung mit Feuerschalen vor der Kirche. In der Adventszeit fanden Roratemessen abends (statt frühmorgens) mit vielen Kerzen in der Kirche und mit Glühwein davor statt. Neulich gab es eine ukrainisch-orthodoxe Taufe, Mitte Juli kommt die Musikschule für ein Konzert.

„Als Konzertsaal ist diese Kirche phänomenal“, sagt Schäfer. Der langjährige Musikschulleiter Mathias Weis habe die Kirche – in Bezug auf die Akustik – als besten in Gemünden bezeichnet. Zwar wolle man kein Konzertveranstalter werden, gleichwohl wird es am 12. November eine besondere Veranstaltung geben. Dann kommt der aus „Fastnacht in Franken“ bekannte Komödiant Volker Heißmann mit dem Pavel Sandorf Quartett zu einem Kirchenkonzert mit dem Titel „Introitus Interruptus – Lieder, Lachen, Lobgesang“.

Was Besucher beim Kirchenkonzert von Volker Heißmann erwartet

Heißmann hat das Konzert vergangenes Jahr schon in Retzbach gespielt. Hier wechselte der Kabarettist zwischen bekannten Melodien und eigenen Texten und Anekdoten. Heißmann sang und erzählte von seinem Weg zu Gott und zur Kirche und sprach auch über die ernsten Themen des Glaubens mit einer Leichtigkeit, die die Konzertbesucher schmunzeln ließ, wie es in einem Bericht von dem Konzert hieß. Weil Roland Kerns Frau Rosi ihm begeistert davon erzählte, kam die Idee auf, Heißmann für Gemünden anzufragen.

Die Gemündener Gemeindemitglieder überlegen, ob sie die Kirche für den Anlass erstmals von außen anstrahlen. „Es darf halt nichts kosten“, sagt Schäfer. Bei dem Konzert im November verlangt der Veranstalter Comödie Fürth Eintritt. Rund 450 Gäste passen rein. Die Kirchengemeinde kümmert sich um die Bewirtung, um ein bisschen Geld einzunehmen.

Das Bistum hat sich größtenteils zurückgezogen

Etwas Geld kann die Kirchenverwaltung gebrauchen. Denn die Einstufung der Kirche in die Kategorie E bedeutet, dass das Bistum nur einen kleinen Zuschuss für den Unterhalt, etwa Heizkosten, leistet. Alles, was das denkmalgeschützte Gebäude betrifft, müsste die Gemeinde selbst stemmen – ausgenommen sind Fälle, in denen außen eine Gefahr für Leib und Leben besteht.

Glücklicherweise sei die Kirche vor 15, 20 Jahren grundlegend saniert worden, etwa die filigranen Betonstreben an den Fenstern und auch das Dach. „Die Bausubstanz ist top“, sagt Schäfer und schwärmt von der modernen Architektur. Aber irgendwann stehe eine Orgelrenovierung an.

Weitere Einnahmen hat die Kirchenstiftung durch das daneben befindliche Pfarrhaus, das vermietet ist, und das Kolpinghaus auf der anderen Seite. Der Saal im Kolpinghaus wird aktuell vom Gymnasium während dessen Sanierung als Musikraum genutzt.

Schäfer, Kern und Claudia Roth vom Gemeindeteam, deren Kinder die Ministrantenarbeit machen und deren Mann Matthias Kirchenpfleger ist, zeigen das innen frisch renovierte Kolpinghaus. Weitere Räume können gemietet werden. Der Saal sei größer als der große Saal im Pfarrheim in der Innenstadt, das die Stadt gekauft hat. „Als Kirchenverwaltung ist man ein bisschen Gebäudemanager“, sagt Kern.

Und auch das Kirchgeld bringt Einnahmen. „Anhand des Kirchgelds sehen wir: Es gibt genügend Gläubige um uns herum“, sagt Schäfer. „Die Gemeinde reduziert sich nicht auf die Kirchgänger“, sonst würde kein Kirchgeld bezahlt, ist er sich sicher. Roth erzählt, dass ab und zu einfach Leute zur Besinnung in der Kirche sitzen. Man könne sich, so Schäfer, durch die unverschnörkelte Architektur auf das Wesentliche konzentrieren. Auch für die Bewohner des nahen Altenheims sei die Kirche ein Ausflugspunkt, für Schulgottesdienste der umliegenden Schulen – Realschule, Gymnasium und Leo-Weismantel-Schule sind gleich daneben – werde sie ohnehin gern genutzt.

Karten für das Konzert mit Volker Heißmann am 12. November gibt es im Vorverkauf in der Touristinfo Gemünden und online.

MAINPOST – Björn Kohlhepp am 9.6.2026